Wenn man in einem Jahr mehrere Läufe jenseits der Marathondistanz
beendet, kann einen so schnell nichts mehr schocken, dachte ich, als
ich mich zum einmalig durchgeführten 100 km- Röntgenlauf in Remscheid
anmeldete und mit Maria Rolfes von den Waldschleichern Lohne, Birte
Siebe von den Lübbecker Berglöwen, meinen TAR- Teampartner Gerd Junker
vom TSV Wallenhorst und den TAR 2010- Finisher Günter Liegmann vom TV
GMHütte illustre Mitstreiter motivieren konnte, ebenfalls ihre Nennung
abzugeben.
Innerhalb kürzester Zeit waren die 180 Startplätze vergeben, und
voller Elan machten wir uns am 30. Oktober gegen Abend auf die Räder,
um rechtzeitig die Startnummer abzuholen, die Pastaparty zu genießen
und in der Umkleidekabine / Dusche der Hackenberg- Sporthalle mehr
schlecht als recht zu schlafen, bevor um 2 Uhr der Wecker in Form von
Gerd uns aus einem unruhigen Schlaf riss.
Ich war schlagartig wach, als mir auffiel, dass mein Championchip in
OS geblieben war, glücklicherweise wurde ich vom Veranstalter
unbürokratisch OHNE Leihgebühr mit einem Ersatzchip versorgt.
Per Busshuttle wurden wir zum eigentlichen Startort gebracht, wo wir
bei Temperaturen etwas über Null um 3 Uhr bei beginnendem Regen auf
die Reise ins Ungewisse geschickt wurden. Geplant war, die ersten 40
km, die im Wesentlichen den letzten zwei Dritteln des 63 km- Ultra
entsprachen, zusammen zu laufen, sehr schnell zeigte sich aber, dass
Gerd und Günter gar nicht so langsam konnten wie angedacht, sie
verabschiedeten sich grußlos nach vorn.
Maria, Birte und ich hielten uns konsequent an einen Schnitt von 7:30
min./km, so dass wir die anfallenden Höhenmeter auch jetzt schon zum
Teil zügig gehend hinter uns brachten.
Die Ausschilderung der Strecke war wirklich vorbildlich, ein Verlaufen
nahezu unmöglich, der stirnlampenbestückte Läuferwurm schlängelte sich
unermüdlich durch das Bergische Land um Remscheid.
Verpflegt wurde wir bei km 21 und 41, dazwischen war Eigenverpflegung angesagt.
Gegen 8.00 Uhr trudelten wir wieder am Sportzentrum Hackenberg ein,
auf Grund des Wetters tendierte meine Motivation, weiter zu laufen,
gen Null, so dass ich ernsthaft mit dem Gedanken spielte,
auszusteigen.
Marias Argument: Du ärgerst Dich schwarz, wenn wir auf der Heimfahrt
mit Finisher- Shirt und Medaille im Auto sitzen und Du hast nichts!,
überzeugte mich aber, nach 30 Minuten Pause wieder einzusteigen und
dem Feld hinterher zu jagen ;-) Allmählich wurde es auch voller auf der Strecke, das eigentliche Teilnehmerfeld (Ultras, Marathonis und Halbmarathonis) wurde gestartet und überholte uns ausgesprochen zügig. Auch trat der Crosscharakter der Strecke immer mehr in den Vordergrund und verlangte Trittsicherheit und erhöhte Aufmerksamkeit vor allem an steilen Bergab- Passagen. Die regulären Verpflegungspunkte ließen keine Wünsche offen, irgendwo wurde mir sogar zu einem Stück Kuchen Kaffee serviert. Bei km 85 habe ich mich von Birte und Maria verabschiedet, da sie jetzt längere Gehpausen machten und ich noch relativ gut drauf war. Mittlerweile war auch die Sonne herausgekommen, so dass man beim Blick auf die reizvolle Landschaft und die herbstliche Natur beinahe vergaß, wie weit man schon gelaufen war. Für mich zeigte die Uhr im Ziel 13.50:42 Std an, Günter war mit 11:56:56 Std ungleich flotter unterwegs, Gerd hatte vernünftigerweise auf den letzten Kilometern das Tempo rausgenommen und nach 13:33:41 gefinisht, Birte und Maria liefen Hand in Hand nach 14.18:31 über die Ziellinie einer Veranstaltung, die in dieser Form einmalig und in jeder Beziehung ein Highlight unseres Läuferlebens bleiben wird. Wenn ich ein persönliches Fazit ziehe, komme ich zu dem Schluß, dass Biel ungleich leichter zu laufen ist, da zu einen die 1100 Höhenmeter enorm reinhauen und zum anderen der Streckenbelag gerade bei Regen richtig Körner fordert. Wenn jemand neugierig geworden ist auf die 63,3 km, die auch 2011 wieder stattfinden, gibt es alles Interessante auf
www.roentgenlauf.de.