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Kurt Gormanns läuft 1.150 km
quer durch Frankreich
„Das ist mein schönstes Geburtstagsgeschenk“, sagt der Bramscher Kurt Gormanns.
Rechtzeitig zu seinem 60. Geburtstag hat er die 1.150 km in 18 Tagen quer durch Frankreich geschafft.
Die Teilnehmerzahl des Frankreichlaufs „La Transe Gaule“ war aus organisatorischen Gründen auf 50 begrenzt. Die Zulassungsvoraussetzungen waren dementsprechend streng. Letztendlich waren aber nur 45 Läufer und Läuferinnen aus sechs Nationen am Start, denn die schnellen Japaner waren nicht erschienen. Deutschland war mit insgesamt sechs Läufern/innen vertreten.
Die Route erstreckte sich zwischen Nordatlantik und Mittelmeer. Sie begann in Roscoff, einer kleinen Piratenstadt in der Bretagne, und führte im großen Bogen durch Frankreich bis nach Gruissan bei Narbonne. Die Etappen hatten eine Länge zwischen 49 und 75 km.
Unerwartet für Kurt Gormanns war die ganze Strecke hügelig. Durchschnittlich 733 Höhenmeter im Aufstieg waren täglich zu bewältigen und im Zentralmassiv warteten einige 1000m-Pässe, wie z.B. der Col de Legal (1231m) auf die Läufer. Es hatte schon etwas Gespenstisches, die steilen Serpentinen in einer menschenleeren, atemberaubenden Natur zu überwinden. Gelaufen wurde zu 95 % auf asphaltierten Straßen. Die in großen Buchstaben auf die Straße geschriebenen Namen wie Didi, Ullrich, Pantani usw. erinnerten daran, dass diese Strecke mehrmals Teil der Tour de France war. Die Organisation war vorbildlich. Jeder Läufer erhielt ein Roadbook und die Strecke war zudem mit orangefarbenen Pfeilen (5 x 2,2 cm) deutlich gekennzeichnet. So hatte Kurt Gormanns auch ohne Französischkenntnisse keine Probleme, das Ziel zu finden. Ungewohnt war für ihn nur, dass er fast die ganze Strecke allein laufen musste. Die Alters- und Leistungsunterschiede waren zu groß. Bei täglich sieben bis elf Stunden Laufzeit ohne einen Gesprächspartner wurde der Kopf so richtig schön leer. Witterungstechnisch war alles vertreten: Regen, Sturm, etwas Gewitter und viel Hitze. Bei Temperaturen um 36 Grad wurde jeder Dorfbrunnen gerne für eine Ganzkörperabkühlung genutzt.
Darüber hinaus waren im Abstand von ca. 14km die offiziellen Verpflegungs- und Kontrollstellen aufgebaut, die von engagierten und freundlichen Freiwilligen betreut wurden.
Das Zeitlimit sollte kein Kriterium sein und war mit 5,5 km/h großzügig bemessen. Schließlich müssten schon genug Läufer wegen Erschöpfung, Knie- oder Muskelproblemen aufgeben, so der Tourleiter.
Die Unterkünfte waren Turnhallen, Viehauktionshallen, Stadthallen u.ä. und geschlafen wurde auf Luftmatratzen oder in Schlafsäcken. Frühstück gab es um 5.00 Uhr und danach mussten schnell die Sachen wieder verpackt und auf den LKW geschafft werden, denn der Startschuss fiel täglich 6:00 . Uhr oder 6:30 Uhr. Abends ließen es sich die Bürgermeister der jeweiligen Zielorte meist nicht nehmen, die Läufer zum Empfang einzuladen, um Weine und andere Spezialitäten ihrer Region vorzustellen und zu verkosten.
Für Kurt Gormanns war der Lauf weniger eine Frage der Kondition. In den sieben Monaten vor dem Start war er bereits 53 Marathons gelaufen, die teilweise als Etappenläufe im Mittelgebirge, in den Alpen und an der Küste stattfanden. Das eigentliche Problem waren die Gelenke, die Sehnen und die Muskeln.
Schon nach 200 km meldete sich am rechten Fuß Shin Splin (Knochenhautentzündung bzw. Sehnenscheidenentzündung) an. Nun galt es, schnell zu reagieren. Die oberen drei Reihen der Schuhschnürung herausziehen, die Socke aufschneiden und die Schuhzunge so befestigen, dass nichts die Fußoberseite berührt. Wenig später begannen die Schmerzen auch im linken Fußgelenk. So ging es dann für die nächsten rund 250 km entsprechend langsamer mit Schlappschuhen weiter. Shin Splin ist kein Grund zum Aufgeben, so der Strecken-Chef. Die Schmerzen kann man weglaufen. Und nach einigen Tagen waren die Schmerzen im Fuß tatsächlich weg, aber dafür Schmerzen in den Knien da. Nun hieß es, nachts mit Kühlkissen schlafen. Ein Blick in das Gefrierfach des Begleitfahrzeugs verriet, dass fast alle Läufer ähnliche Probleme hatten. Nach 166 Stunden Laufzeit und einer Platzierung am Ende des zweiten Drittel des Feldes kam Kurt Gormanns als einer der sechs ältesten Teilnehmer am Mittelmeer ins Ziel. Der Sieger, Jean-Jacques Moros
(35 Jahre) brauchte nur 91 Stunden und stellte damit einen neuen Streckenrekord auf. Insgesamt erreichten von den 45 gestarteten Läufern 28 Männer und 8 Frauen das Ziel. Vielleicht gibt es eine preiswertere Möglichkeit, um die eigenen Grenzen zu erfahren, aber für Kurt Gormanns sind die rund 2000 € eine gute Investition mit vielen schönen Erinnerungen.


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