Günter Liegmann  und  Kurt Gormanns schaffen den Transalpine-Run 2010

 Der Gore-Tex Transalpine-Run ist eines der härtesten Berg- und Trail-Etappenlauf der Welt ( lt. Veranstalter). In acht Tagen geht es durch drei Länder über zwölf Alpen- und Dolomitenpässe. Jeden Tag sind ein bis zwei Bergpässe mit 1200 bis 3000 positiven Höhenmetern zu überwinden. Die Bergpässe sind bis knapp 2700 Meter hoch und teilweise schon mit Schnee bedeckt. Gelaufen wird fast nur auf Wanderwegen und schmalen Steigen. Aus Sicherheitsgründen müssen immer zwei Läufer zusammen laufen. Bei mehr als zwei Minuten Abstand an den Kontrollstellen drohte eine Zeitstrafe von 30 Minuten. Aus Sicherheitsgründen werden zudem täglich die Rucksäcke kontrolliert. Rettungsfolie, Unfallset, Regenjacke, lange Hose, ausreichen Getränke usw. müssen mitgeführt werden.

 Nahezu 600 Läufer (Spitzensportler und Hobbyläufer) aus 26 Länder, unter ihnen Alaska, Australien, Südafrika, Neuseeland, Israel, Russland und andere mehr waren am 4. September  in Ruhpolding am Start. Als Team Osnabrücker Land  waren der Realschullehrer Günter Liegmann (55) und Finanzbeamte a.D. Kurt Gormanns (59) am Start. Die Etappenziele waren

  St. Ulrich im Pillerseetal (A),  

  Kitzbühel (A),  

  Neukirchen am Großvenediger (A),  

  Prettau im Ahrntal (I),  

  Sand in Taufers (I),  

  St. Vigil (I),

  Niederdorf im Pustertal (I) und

  Sexten (I)

und die Etappen waren bis zu 46,9 km lang. Der Lauf wurde ständig von einer Hubschrauberkamera und zwei Motorradkameras und sieben Fotografen auf der Strecke erfasst. Eine Organisation, die der der Tour de France in nicht viel nachsteht. Schon bei den abendlichen Pasterpartys und Feiern wurden dann die Bilder des Tages und das Video des Tages auf einer Großleinwand präsentiert.

 

Das Duo Liegmann/Gormanns musste sich erst schmerzhaft an die Extreme gewöhnen. Erst ging es zehn bis zwanzig km mit bis zu 50 % Steigung nur steil bergauf. Da konnten selbst die Motorradkünstler mit der Kamera oder mit dem Streckenarzt nicht mehr folgen. Rechtzeitig vor den Steilanstiegen hieß es dann wärmere Kleidung aus dem Rucksack anziehen, denn auf den Bergpässen war es empfindlich kalt. Die Abstiege sollten aber noch schlimmer werden. Der Regen hatte die Felsbrocken und Steine rutschig werden lassen. Die Walkingstöcker dienten jetzt als dritte oder vierte Stütze. Nach zehn bis zwanzig km nur bergab klettern und bergab laufen waren die Oberschenkel hart, die Sehnen und die Knie gereizt und der Laufstil nicht mehr rund. Platz 220 gesamt und Platz 22 in der Senior-Master-Klasse waren da noch geschmeichelt.

Am zweiten Tag lief es dann schon besser. Bergauf konnte das Duo viele Teams überholen, aber bergab haben sie dann wieder fast alles verloren. Irgendwie war es wie auf der Skipiste. Die Bergbewohner stürzen sich halsbrecherisch die Abfahrt und die Buckelpisste runter und die Flachlandbewohner versuchern sich mit der Schneepflugtechnik mühsam ins Tal zu retten. Von der dritten Etappe an waren die Bergabläufe immer noch nicht halsbrecherisch, aber schon wesentlich mutiger. In den Dolomiten wurde es dann richtig gefährlich. Nur 30 bis 50 cm breite Steige und sonst nichts. Auf der einen Seite ging es fast 1000 m steil nach unten und auf der anderen Seite steil nach oben. Für die atemberaubende Schönheit der Bergriesen und Täler blieb da  nicht viel Zeit.

Einmal hatte eine Kuh für Aufregung gesorgt. An einer Steilhangstelle, knapp unterhalb der Baumgrenze, stand eine Kuh so im Single-Trail, dass kein Überholen mehr möglich war. Ein Läufer konnte sich letztlich als Kuhflüsterer nützlich machen und die Kuh kroch langsam rückwärts aus dem Steig.

Nach 310 km und 13.800 Höhenmetern, zwei Stürzen und einem zerbrochen Carbon-Walkingstock kamen Liegmann und Gormanns überglücklich in Sexten ins Ziel. Rund ein Drittel der ursprünglich 276 Teams standen nicht mehr auf der Ergebnisliste. Das Duo Liegmann/Gormanns konnte sich letztlich über Platz 160 gesamt und Platz 12 in der Senior-Master-Klasse freuen. Jetzt sind sie echte Marathon-Master.

 

PS.: Am Samstag den 16.10. um 9:15 Uhr wird im DSF noch eine Zusammenfassung im Fernsehen übertragen