Irgendwann muss jeder nach Biel, äh, Rheine ;-)
Irgendwann nach dem ...zigten Marathon stellt man fest, dass es auch Strecken jenseits der magischen 42,195 km gibt, die gelaufen werden wollen.
Bei mir war die erste Ultradistanz die GMHütter NULL über 50 km, die Georg Rollfing seinerzeit ins Leben gerufen hat und die vor einiger Zeit vom OberPUM Günter Liegmann reaktiviert wurde.
Wem auch das zu kurz ist, der kommt, wie von Werner Sonntag im gleichnamigen (s.o.) Buch eindrucksvoll beschrieben, um Biel nicht herum, aber alle Jahre wieder Biel muss ich nicht unbedingt haben, deshalb habe ich u. a. auch den WUB rund um Bielefeld, die Stadt, die es gar nicht gibt, die 100 km beim Röntgenlauf  und den Taubertal- Ultra unter die Laufschuhe genommen und hätte es damit eigentlich gut sein lassen, wenn nicht Christian Pflüger, seines Zeichens Racedirector des größten 6- Stunden- Laufs weltweit, im Rahmen seines 6- Stunden Laufs (www.6h-lauf-muenster.de) am 10. März 2018 in der Theodor- Blank- Kaserne in Rheine- Elte die deutsche Meisterschaft im 100 km- Straßenlauf ausgetragen hätte.
Was sollte dagegen sprechen, entspannt 20 ganz flache Runden zu je 5 km zu kreiseln, nur unterbrochen von optimaler Verpflegung sowohl in flüssiger als auch in fester Form.
Bevor ich anfange, an mir selbst zu zweifeln, gebe ich meine Nennung ab und stelle eine Woche vor dem Lauf fest, dass ich eigentlich nur 13 Stunden durchlaufen muss, um meine AK zu gewinnen, schlicht und einfach, weil ich der Einzige in der M 70 bin.
Am 5. März registriere ich mit Hans- Joachim Dierkopf einen Mitbewerber auf den ersten Platz, google ihn, stelle fest, dass Ha-Jo, als er noch in der M 65 unterwegs war, über 100 km schon mal eine 9:47 rausgehauen hat und verabschiede mich vom Titel mit der Gewissheit, in unserer AK zumindest Zweiter zu werden, wohingegen mein Konkurrent Vorletzter werden wird ;-).
Da Christian bei unserem www.ospum.de immer für die Zeitnahme zuständig ist, unterstützen Günter und ich ihn in den Tagen vorher beim Füllen der Sandsäckchen, Bekleben der Medaillen und Packen der Starterbeutel.
Am Raceday reisen wir getrennt an, weil in 13 Stunden auf 100 km relativ viel geschehen kann, Günter hat unsere gemeinsame Lauffreundin Maria Rolfes von den Waldschleichern Lohne an Bord. 
Seinen Start knickt er wg. einer hartnäckigen Erkältung, Maria und ich bummeln noch im Dunklen und bei Regen zusammen mit knapp 200 anderen zum Start in der Nähe vom VP 1 und werden mit einer geringen Zeitverzögerung losgeschickt.
Im Vorfeld hatte ich mir überlegt, mit einem Schnitt von 7:30 min/km zu starten, zu schauen, wie lange ich ihn halten kann und das Tempo bei Bedarf entweder nach unten oder nach oben zu modifizieren. 
Je länger ein Lauf ist, desto mehr Probleme habe ich mit der jeweiligen Rechnerei. 
Deshalb hatte ich ein Zettelchen dabei mit den 5 km- Splittzeiten, und was soll ich sagen, es lief eigentlich genau nach Plan.
Nur zum Nachvollziehen erwähne ich einfach jetzt mal schon unsere jeweiligen Soll- bzw. Istzeiten:
km 5 38 min / 36 min, km 10 1:16 Std. / 1:10 Std., km 15 1:54 Std. / 1:46 Std., km 20 2:32 Std / 2:24 Std., km 25 3:10 Std / 3:01 Std., km 30 3:48 Std. / 3:38 Std., km 35 4:26 Std. / 4:16 Std., km 40 5:04 Std / 4:55 Std., km 45 5:42 Std / 5:33 Std., km 50 6:20 Std. / 6:10 Std.
Nach sechs Stunden wurde es auf der bisher sehr ruhigen und an zwei Stellen etwas windanfälligen Strecke ausgesprochen wuselig, weil um 12 Uhr die 6 Stunden Laufenden losgelassen wurden. 
Mathias Hornung, seines Zeichens Organisator des Osnabrücker 6- Stunden- Laufs am Rubbenbruchsee am 18. August 2018, fungierte in bewährter Weise als fachkundiger Streckensprecher und hatte auch für die 100 km- Läufer immer ein motivierendes Wort in petto.
Mental geht es Maria, die in ihrer W 60 ebenfalls auf Position zwei unterwegs ist, und mir ausgezeichnet, man kennt ja mittlerweile relativ viele Akteure von anderen Veranstaltungen und hat unterwegs immer Zeit für ein kleines Schwätzchen. 
Meine ohnehin immer noch gute Laune bessert sich schlagartig, als ich ungefähr bei km 60 vor mir Ha-Jo registriere, dessen Laufstil eindeutig zeigt, dass er mit Problemen zu kämpfen hat.
Er bestätigt es mir auch beim Überholvorgang und gibt mir gute Wünsche mit auf den ab jetzt nur noch zu laufenden Marathon.
Glücklicherweise ist seit dem späten Vormittag das Wetter auf unserer Seite, zeitweilig zeigt sich auch die Sonne und lässt die Strecke abtrocknen.
Nach jeder Runde kann man am VP 1 seine Position und die jeweils gelaufene Rundenzeit ablesen, und es zeigt sich, dass Ha-Jo mich in der ersten Rennhälfte zwei Mal überrundet haben muss, weil ich immer noch Platz 2 in der AK innehabe.
Da ein Check- Up aller wichtigen Punkte (Puls, Hüfte, Knie, Fussgelenk, Zehen) nichts Negatives ergibt, bemühen wir uns, das vorher angedachte "Tempo" so lange wie möglich konsequent weiter zu halten, immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass jede Minute der Stecker gezogen werden kann.
Einer unserer Lauffreunde aus Melle hatte immer einen guten Spruch auf Lager: Ultra ist 80 % Kopfsache und 20 % mental!, und wo er recht hat, hat er recht, das bewahrheitet sich auch bei meiner ersten dt. Meisterschaft über diese Distanz.
Die 5km- Splitts unserer zweiten Hälfte will ich natürlich nicht verschweigen:
KM 55 6:58 Std. / 6:48 Std., km 60 7:36 Std. / 7:25 Std., km 65 8:14 Std. / 8:04 Std., km 70 8:52 Std. / 8:44 Std., km 75 9:30 Std. / 9:26 Std., km 80 10:08 Std. / 10:06 Std., km 85 10:46 Std. / 10:46 Std. km 90 11;24 Std. / 11:24 Std., km 95 12:06 Std. / 12:07 Std., ZIEL 12.44 Std. / 12:47 Std.
So wundert es mich relativ wenig, dass wir in der 18. Runde zum zweiten Mal auf Ha-Jo auflaufen, ihn nach einem kurzen Wortwechsel überlaufen und davonziehen mit der Gewissheit, Platz 1 bis ins Ziel sicher zu verteidigen.
Wenn ich mir im Nachhinein vor Augen führe, dass ich bei meinem ersten Hunderter vor 10 Jahren in Biel mit 12:42 Std. praktisch genau so lange unterwegs war, kann ich heute eigentlich nur staunen, wie komplikationslos ich Rheine finishen und den Meistertitel in der AK M 70 für mich persönlich und den Osnabrücker Sportclub holen konnte.
Versteht sich von selbst, dass wir bis zur Siegerehrung bleiben, die von Michael Irrgang, dem Sportwart der LG DUV, und Christian Pflügler vorgenommen wird
Maria schafft es problemlos, Vizemeisterin in ihrer AK zu werden, ich durfte ganz oben aufs Treppchen und stelle ganz unbescheiden fest: Ich bin stolz auf mich!